Dossier: Anerkennung & Gleichbehandlung

Thema: PhD an FH?

Ja zu eigenständigem PhD an FH


FH SCHWEIZ hat zur Frage nach einem eigenständigen PhD an FH Position bezogen und im Rahmen einer Veranstaltung im Juni Hintergründe und Perspektiven präsentiert. Die vertiefte Aus­einandersetzung mit dem Dossier spricht für ein neues, eigenständiges PhD-Programm an den Fachhochschulen. Wissenschaft und Arbeitswelt sollen verbunden werden. Das andersartige Profil der FH erfordert, dieses Profil auch auf die dritte Bologna-Stufe zu übertragen. Und dies zur zukünftigen Stärkung des FH-Profils, zum Forschungstransfer in die Praxis und zur Nachwuchsförderung an den Fachhochschulen.


Hintergrund
Heute gibt es an den Fachhochschulen die ersten beiden Ausbildungsstufen Bachelor und Master, die dritte Bologna-Stufe (PhD) fehlt. Der zukünftige Schweizer Hochschulraum nach der neuen Ausgestaltung des HFKG (Hochschulförderungs- und koordinationsgesetz) wird aus «gleichwertigen aber andersartigen Hochschultypen» mit Forschungsauftrag bestehen. Und so lässt sich für FH Schweiz ein eigenständiges PhD an der Fachhochschule auch aus dem Gedanken dieses Gesetzes ableiten. Theoretisch könnten FH-Studierende heute zum Beispiel in Technik und Wirtschaft ein Doktorat an einer Universität absolvieren. Der Alltag sieht dann in der Regel aber anders aus: Mit einem FH-Masterabschluss ist kein Ankommen in einem PhD-Programm einer universitären Hochschule. Die Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen kennt also klare Grenzen. Dies wurde auch am Bildungsanlass im Juni 2013 zum Thema Doktorat an Fachhochschulen deutlich. "Neu, andersartig, praxisnah, aber doch wissenschaftlich fundiert: Darin liegt die grosse Chance eines auf dem Arbeitsmarkt nachgefassten PhD an der Fachhochschule." fasst Christian Wasserfallen, Nationalrat und Präsident von FH SCHWEIZ, die Position zusammen.
Breite interne Abstützung der Position &
wachsende Unterstützung aus der Arbeitswelt

FH SCHWEIZ setzte sich intensiv in seinen Gremien mit dem Dossier PhD an FH auseinander. Das Bildungsressort unter der Leitung von Christian Wasserfallen behandelt das Dossier als ein Schwerpunktthema in 2013. Die Delegiertenversammlung, das oberste Organ der FH SCHWEIZ, stimmte dem Antrag «Neues eigenständiges PhD an FH» an seiner Versammlung vom 22. März 2013 zu. Erste Reaktionen und Stellungnahmen aus der Arbeitswelt sind sehr positiv. Genannt wird zum Beispiel der Vorteil eines verpflichtenden Forschungstransfers in die Praxis und die ersten Unternehmen möchten deshalb unbedingt von Anfang an bei den Pionieren dabei sein.
Modell eines PhD-Programmes
FH SCHWEIZ hat im Beirat FH SCHWEIZ - dem Gremium mit Parlamentariern der unterschiedlichen Parteien sowie Vertretern der Arbeitswelt - das Thema breit diskutiert und die Vertreter haben sechs grundsätzliche Anforderungen an ein PhD definiert.  Eine Projektgruppe der FH SCHWEIZ mit hochkarätigen Vertretern aus Fachhochschulen und Wirtschaft skizzierte mögliche Modelle eines PhD an der Fachhochschule. In der Herbstsession reichte zudem Brigitte Häberli-Koller, Ständerätin und Präsidentin des Beirates der FH SCHWEIZ, eine Interpellation zum Thema ein. In der Antwort in der Wintersession geht der Bundesrat davon aus, dass ein PhD an der FH grundsätzlich unter dem neuen HFKG ab 2015 möglich ist.

Im Juni 2014 präsentiert die FH SCHWEIZ die 1. Fassung ihres Grundlagen­dokumentes an einem internen Event mit der Rektorenkonferenz der Fach­hochschulen Schweiz (KFH) in Bern. Beinahe zeitgleich, am 13. Juni 2014 reichte Christian Wasserfallen eine Anfrage zur PhD-Stufe an Fachhochschulen im Nationalrat ein.  
 
Finanzierung im Rahmen der BFI-Botschaft 2017-2020
Im Rahmen der BFI-Botschaft 2017-2020 soll für die dritte Stufe an Fachhochschulen eine solide Finanzierungsgrundlage vorgesehen werden. Eine entsprechende Motion konnte Christian Wasserfallen (Präsident FH SCHWEIZ) in der WBK des Nationalrats mit Erfolg durchsetzen. Ab 2017 ist ein durchschnittliches jährliches Ausgabewachstum von 3,9 Prozent einzuplanen. Die Wachstumsrate muss Reformen in der Berufsbildung und in der Hochschulbildung ermöglichen. Eine dieser Reformen wäre just das PhD an Fachhochschulen. Der Nationalrat stimmte dieser Motion im Sommer zu. Der Ständerat tat es ihm mittlerweile gleich, wobei er gewisse Änderungen am Motionstext vornahm. Der Bundesrat wird angehalten, den Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) prioritär zu behandeln und mit ausreichenden Mitteln auszustatten. Es sollen vier Förderungsschwerpunkte berücksichtigen werden; diese sind die höhere Berufsbildung, die Medizin, der wissenschaftliche Nachwuchs und die Innovation. Die Motion geht jetzt zurück in den Nationalrat.
 Die WBK-N hat am 15.01.2016 über die aus dem Ständerat in abgeänderter Form zurückgekommene Motion 15.3011 beraten. Die Änderung des Ständerates hat der WBK-N einzig die Möglichkeit gelassen, über Annahme oder Ablehnung der modifizierten Motion zu beschliessen. Diese will keine Festlegung eines bestimmten Prozentsatzes für ein durchschnittliches jährliches Wachstum der Ausgaben im BFI-Bereich und konzentriert sich auf die Festlegung inhaltlicher Schwerpunkte. Die WBK-N hat die abgeänderte Motion mit 14 zu 7 Stimmen angenommen. Die Mehrheit der Kommission bedauert zwar, dass in der modifizierten Motion die Fixierung eines durchschnittlichen jährlichen Wachstums für die BFI-Ausgaben nicht berücksichtigt wird, begrüsst aber mehrheitlich deren inhaltliche Stossrichtung. Eine Minderheit sprach sich gegen die Annahme der abgeänderten Motion aus. Am 9. März 2016 hat der Nationalrat die Motion mit 120 zu 61 Stimmen wie vom Ständerat vorgeschlagen angenommen.
 
Offener Brief an die Verantwortlichen für die Hochschullandschaft Schweiz
Am 18.11.2015 ging ein offener Brief von Christan Wasserfallen, Präsident FH SCHWEIZ und Toni Schmid, Geschäftsführer FH SCHWEIZ, an die Verantwortlichen der Hochschullandschaft Schweiz. Darin wird erläutert, weshalb FH SCHWEIZ eine eigenständige und qualitativ hochstehende dritte Ausbildungsstufe (PhD-Stufe) fordert. FH SCHWEIZ erwartet darin im Rahmen der BFI-Botschaft 2017-2020 einen konkreten Umsetzungsvorschlag für das eigenständige PhD-Modell an Fachhochschulen.
 
Kooperation mit Universitäten
In der nächsten Finanzierungsperiode 2017-2020 der Botschaft für Bildung, Forschung und Innovation (BFI) soll über "projektgebundenen Beiträge" (Art. 59 HFKG) die Weiterentwicklung der Doktoratsstufe und des dritten Zyklus finanziert werden. Darin sollen auch die Bedürfnisse des wissenschaftlichen Nachwuchses der Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen berücksichtigt werden. Das Programm widmet sich deshalb spezifisch auch der vermehrten Kooperation zwischen den Universitäten und den Fachhochschulen in der Doktoratsausbildung. Um das Fachhochschulprofil zu erhalten und zu stärken, sollen in einem durch die projektgebundenen Beiträge mitfinanzierten Programm in Zusammenarbeit mit universitären Hochschulen Doktoratsausbildungen und entsprechende Programme etabliert werden, die den spezifischen Leistungsauftrag der Fachhochschulen abbilden und damit die duale Perspektive von Berufsfeld und akademischer Qualifikation reflektieren. Das Promotionsrecht verbleibt hierbei weiterhin bei den Universitäten. Die Doktorierenden werden jedoch an der Fachhochschule forschen.
 
SHK genehmigt Finanzierung der "projektgebundenen Beiträge"
Die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK) spricht sich am 26. Mai
2016 für die in der BFI-Botschaft 2017-2020 zu bewilligenden CHF 27 Mio. für das Projekt «P-1 Doktoratsprogramme und zukunftsgerichtete Entwicklung des 3. Zyklus» aus. Das Projekt umfasst drei Teilprojekte mit gemeinsamer Zielsetzung: Gefördert werden Doktoratsprogramme der universitären Hochschulen sowie Doktoratsausbildungen, die auf einer Kooperation zwischen einer UH und einer FH/PH basieren. Schliesslich wird die Kooperation zwischen FH/PH und ausländischen Hochschulen gefördert, mit dem Ziel, den 3. Zyklus in jenen Bereichen zu unterstützen, welche an Schweizer UH keine Verankerung haben.
 
Kooperationsprojekte werden genehmigt und können starten
Im April 2017 hat nun swissuniversities über die Durchführung und Finanzierung der eingereichten Kooperationsprojekte zwischen FH/PH und Universität entschieden. Elf Projekte wurden angenommen. Acht davon sind Kooperationen zwischen Universitäten und Fachhochschulen, drei zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Es wurden insgesamt CHF 3.7 Mio. der CHF 5 Mio. verwendet. Die restlichen CHF 1.3 Mio. CHF werden in einem zweiten Ausschreiben vergeben. Mitte Dezember 2017 fällt dort der Entscheid. Ausserdem wurden auch sechs Kooperationsprojekte mit ausländischen Hochschulen angenommen.
 
2017
2016
2015
2014
2013
2012
2011

Nächste Schritte:
Im April 2017 hat swissuniversities elf Kooperationsprojekte für Doktoratsprogramme von FH/PH in Zusammenarbeit mit Schweizer Universitäten und sechs Kooperationsprojekte für Doktoratsprogramme von FH/PH in Zusammenarbeit mit ausländischen Hochschulen genehmigt. Diese können nun starten.

Letzte Änderung: 25.04.2017 16:31:59